Mamma Mia feiert 40. Geburtstag! Seit vier Jahrzehnten gibt es die authentisch italienische Pizzeria am Marktplatz an der Lambertikirche. Das urige Restaurant war das erste dieser Art in Oldenburg, und es ist schon lange eine Institution.

Die typisch italienische Einrichtung hat sich kaum verändert, Inhaber Fabio Morroco setzt wie zuvor sein Vater Luigi auf eine gemütliche Atmosphäre – ganz gleich, wie voll das Restaurant ist, die Stimmung ist familiär und auch intim genug für ein romantisches Essen zu zweit. Die offene Küche, der sehr eigene, manchmal etwas ruppig empfundene Charme des Servicepersonals zeichnet das Lokal aus: authentisch eben. Während man neben der Vitrine steht und auf einen freien Tisch wartet, bleibt Zeit, die wechselnde Saisonkarte auf der Tafel zu studieren: Antipasti, zahlreiche Pizza- und Pasta-Variationen, frischer Fisch, Meeresfrüchte und Fleischspezialitäten, zum Abschluss Dolce, etwas Süßes. Sich zu entscheiden, ist angesichts der großen Auswahl gar nicht so leicht. Mit viel Liebe und Leidenschaft und den besten Zutaten werden immer wieder neue Gerichte und natürlich die Klassiker zubereitet, so dass Feinschmecker ebenso auf ihre Kosten kommen wie diejenigen, die Lust auf eine schnelle Pizza haben. Eine Pizza, die 2009 beim TV-Format „Fast Food Duell“ als „beste Pizza Oldenburgs“ ausgezeichnet wurde. Mamma Mia ist eine verlässliche Größe, und die Tagesangebote – je nach Wochentag gibt es jede Pizza und/oder jedes Pastagericht für kleines Geld – sind ein Dauerrenner. Darüber hinaus gibt es spezielle Fleisch- oder Fisch-Menüs auf der Mittagskarte und je nach Saison außergewöhnliche italienische Gerichte, so dass sich selbst die Stammgäste immer wieder auch von neuen Kreationen überraschen lassen können. Ebenso ausgezeichnet ist die Weinkarte, der Fabio Morroco besondere Aufmerksamkeit schenkt. Viele gute Gründe für CHAPEAU, bei Mamma Mia vorbeizuschauen und mit Vater und Sohn über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sprechen.

 

CHAPEAU: Luigi, in welchem Jahr bist du nach Deutschland gekommen?  
Luigi Marrocu: 1971 bin ich von Italien nach Flensburg gegangen und habe dort für ca. ein Jahr in einer Pizzeria gearbeitet, die einem Deutschen gehörte. Es war das erste italienische Lokal in der Stadt. Der Besitzer hatte auch eine Diskothek, die war immer brechend voll. Beides lief also sehr gut. Nach diesem Jahr erst einmal wieder nach Verona, wo ich gleichzeitig wieder überlegt habe, wie ich wieder nach Deutschland kommen kann. In Verona habe ich einen Italiener kennengelernt, der ein Lokal in Weener hatte – ein kleiner Ort ungefähr 20 km von der holländischen Grenze entfernt. Dorthin bin ich dann für ein weiteres Jahr. Danach habe ich in einer Diskothek gearbeitet. Aber in der Gastronomie arbeite ich genaugenommen schon seit meiner Kindheit. Nach fünf Jahren in der Schule musste ich direkt arbeiten gehen, mit 11 Jahren. Mein Vater hat damals in Cagliari für mich Arbeit gefunden.

Wie bist du damals in Deutschland empfangen worden?
Sehr gut. Ich bin aus privaten Gründen nach Flensburg gegangen, die Arbeit kam erst danach. Ich hatte aber auch Möglichkeiten, in Italien zu bleiben und dort zu arbeiten. Ich war jung und hatte viele Optionen.

Hattest du schon in Italien den Plan, nach Deutschland zu kommen und ein Restaurant zu eröffnen?
Nein, es gab keinen Plan. Nach den ersten eineinhalb Jahren in Deutschland habe ich angefangen, darüber nachzudenken. Zu der Zeit, vor 42, 43 Jahren, gab es so gut wie keine italienischen Lokale in Deutschland – jugoslawische, griechische und chinesische, ja, aber kaum italienische. Ich habe das erste italienische Lokal in Oldenburg eröffnet, ebenso das erste in Emden und Westerland.

Wie hast du dich damals gefühlt? Und wie fühlst du dich heute?
Anfangs sehr gut, denn ich war jung und frei. Heute geht es so. Ich werde bald in Rente gehen. Doch dieses Lokal, das Mamma Mia, hat für mich eine besondere Bedeutung. Meine Familie hat dieses Restaurant alleine aufgebaut. Meine Schwester mit ihrem Mann, mein Bruder, die viele Jahre hier waren und an die ich Restaurants übergeben habe, haben den Anfang gemacht. Ich habe mittlerweile 29 Lokale in Deutschland eröffnet. Da musste ich irgendwann vermitteln und abgeben, sonst wäre es zu viel geworden.

Du bist noch jeden Tag im Restaurant, im Service. Muss das noch sein?
Ja, das muss es. Ich sehe immer noch alles, das ist mein Beruf. Ich habe die Küche im Blick, kann sehen, ob und wie etwas schmeckt. Ich kann Koch sein, Pizzabäcker, im Service – ich vereine alles. Ich bin jedoch noch mehr ein Organisationsmensch, ein Manager. Aber du musst wissen, wie es intern aussieht und läuft, ansonsten kannst du nicht gut organisieren.

Habt ihr nur ein Restaurant in dieser Art, weil es für dieses Konzept nur so geht?
Jedes Restaurant hat eine andere Karte. Sehr individuell.

Also wolltet ihr kein zweites oder drittes Mamma Mia wie dieses hier in Oldenburg? 
Mamma Mia ist ein kleines Restaurant, und das soll auch so bleiben. Es ist auch bei kleiner Größe sehr viel Arbeit, sehr viel Stress. Dieser Stil ist mein Konzept. In Hamburg habe ich in einem Jahr drei Lokale eröffnet, darunter ein gehobenes Restaurant. Natürlich ist Hamburg ganz anders als Oldenburg, mit anderen Gäste. Allein die Einrichtung hat ein Vermögen gekostet. Aber wunderschön ist es geworden: jeder Raum mit jeweils einer Stilrichtung – Venedig, Florenz, Rom. Da sind die Schauspieler gekommen, Fußballer, ein sehr bekannter russischer Tänzer war auch Gast dort. Der Laden hat gebrummt. Dann bin ich sehr krank geworden – zu viel Stress – und musste in einem Jahr sieben Lokale verkaufen. Doch es gab noch diese drei Lokale in Hamburg und noch eine weitere große Firma. Das war viel Arbeit, viele Geschichten …

Bist du heute glücklich? Oder vermisst du etwas? Hat sich in Deutschland viel verändert? 
Ich bin glücklich; leider spielt die Gesundheit nicht immer mit. Fabio muss weitermachen. Zwei-, dreimal im Jahr fahre ich in meine alte Heimat. Wir haben dort ein Bed & Breakfast, darum muss man sich auch kümmern. Hier in Deutschland hat sich in den letzten 45 Jahren schon einiges geändert. Ich habe früher in Emden die schönste, die beste Pizza gemacht, und die Leute haben sie nicht gegessen – weil sie das damals nicht kannten. Heute kennt jeder Pizza. Anfangs war es keine leichte Zeit, es waren schwere erste Jahre, auch in Oldenburg, aber es wurde langsam besser. Wir haben uns weiterentwickelt, bei der Auswahl unserer Weine beispielsweise. Das Restaurant ist gut besucht, so wie es mir immer vorgestellt habe. Ich bin sehr zufrieden.

Fabio, hattest du als Sohn deines Vaters jemals die Wahl, etwas anderes als Gastronom zu werden?
Fabio Marrocu: Seit 22 Jahren bin ich in Deutschland, also die Hälfte meines Lebens. In Italien bin ich zur Schule gegangen und habe mein BBL-Studium mit Diplom abgeschlossen. Ich wollte ursprünglich nicht Gastronom, sondern Steuerberater werden. Das mit der Gastronomie hat sich im Laufe der Zeit entwickelt, ausgelöst durch die gesundheitlichen Probleme meines Vaters. Zwischendurch habe ich zwar immer geholfen, die Buchführung gemacht, doch so bin ich letztlich in die Gastronomie eingestiegen. Ich habe mir einiges selber beigebracht, aber auch Seminare in Italien belegt und mich weitergebildet. Die ganze Familie meines Vaters sind Gastronomen, und vielleicht war es Schicksal, dass ich auch einer werde. Und wie sich herausstellte, sitze ich gar nicht so gerne am Schreibtisch. Ich brauche Bewegung und ein bisschen Aktion.

Ist das Mamma Mia eher ein Konzept für dich oder eher Herz und Leidenschaft?
Mein Vater hat vor 40 Jahren das Konzept Mamma Mia entwickelt, als italienisches Essen hier noch nicht so bekannt war. Es hat angefangen mit Pizza und Pasta. Über die Jahre hat sich das kultiviert, es gibt jetzt noch viele andere Gerichte mit Fleisch oder mit Fisch aus den verschiedenen Regionen Italiens. Die italienische Küche hat sich in der ganzen Welt verbreitet, sowohl die traditionellen als auch die Gourmet Gerichte. Aber am Anfang stand die Pizza.

Wie kommt denn der Name „Mamma Mia“ zustande, wessen Idee war das?
Mein Vater hat Mamma Mia den Namen gegeben. Es bedeutet „meine Mutter“. In Italien ist die Mama sehr wichtig; sie die erste Person und die Chefin im Haus und auch die Chefin in der Küche, die für die Familie das Essen zubereitet.

Ist dein Vater auch ein Vorbild für dich?
Ja, das ist er. Mein Vater schaut immer nach vorne und nicht zurück, und auch in der Gastronomie ist er so. Mein Vater hat sich immer entwickelt, er hat mir alles gezeigt und macht das auch jetzt noch. Und alles, was mein Vater mir beibringt, ist ein Geschenk. Von ihm habe ich viel gelernt. Er hat 70 Jahre Lebenserfahrung und eine gute Menschenkenntnis, auf die ich vertrauen kann.

Woher nimmst du deine Energie?  
Antrieb kommt durch Leidenschaft. Die Ideen kommen durch viel Lesen und viel Schauen. Ich schaue nicht nur auf meinen Laden, sondern auch bei anderen und gucke, was ich vielleicht besser machen kann. Und wenn der Laden läuft, das Konzept erfolgreich ist, gibt mir das auch Energie.


Du bist jeden Tag im Laden, von morgens bis zum Schluss. Vermisst das „normale Leben“ mit geregelten Arbeitszeiten und einem Feierabend, wie deine Gäste ihn haben?
Um ehrlich zu sein: Ja, klar. Ich vermisse diese Freiheit, selbst darüber zu entscheiden, vor allem an den Feiertagen, am Wochenende. Mit einem Restaurant hast du beruflich viel Freiraum, aber im Privaten eben nicht. Du musst immer dabei sein, wegen der Gäste, wegen dem Personal. Inzwischen kann ich mir auch mal ein paar Tage freinehmen, aber grundsätzlich geht es in die Gastronomie um Präsenz, darum, dass es gut läuft, immer! Doch wenn du deinen Job liebst, vergisst du auch, dir frei zu nehmen bzw. du vermisst es auch nicht so sehr.

Was genießt du ganz privat, was ist deine Definition von Luxus?
Ich brauche kein schönes Auto … Freiheit, einfach zu Hause sein, kochen, ein schönes Glas Wein mit deiner Frau zu trinken und mit der Familie in aller Ruhe zusammenzusitzen ... Und in meiner Heimat genieße ich einfach die Tage am Strand, die kleinen Dinge mit der Familie – das ist Luxus.

Wie fühlen sich für dich „40 Jahre Mamma Mia“ an?
Ich hoffe, dass es auch noch mehr als diese 40 Jahre werden, dass das Mamma Mia noch weitergeführt wird, wenn ich in Rente gehe. In meinen 12 Jahren im Mamma Mia sind viele Sachen passiert, viele schöne Sachen. Wir haben uns weiterentwickelt. Früher hatten wir ein paar Weine, jetzt sind es um die 100! Neue Ideen kommen, wenn ich zu Messen fahre, in Italien, gastronomische Messen, Weinmessen und Gourmetmessen. Dort gibt es immer spannende Neuheiten, die wir dann unseren Gästen hier in Deutschland als Erstes präsentieren wollen.

Wie siehst du die Zukunft?
Ich versuche immer Optimist zu sein. In 40 Jahren Mamma Mia gab es gute und auch schwierige Zeiten; man muss stark bleiben und weitergehen, um vorne zu bleiben und alles unter Kontrolle zu behalten, aber ich sehe das optimistisch. In der nächsten Zeit stehen Renovierungen an. Und wir denken darüber nach, italienische Feinkost anzubieten. Wenn man es schafft, mit den Leuten, mit den Gästen gut zu sein, wenn das Essen gut ist und das Personal, dann wird es auch in Zukunft funktionieren. Ich glaube, dass die italienische Küche immer Bestand haben wird, besonders die inhabergeführten Restaurants.

Ich bin sehr gespannt darauf, was noch passieren wird, und danke euch für das Gespräch!

INTERVIEW LARS GÖRG, FOTOS CONTENTLEY


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